Zivilschutz im bewaffneten Konflikt: Bevölkerungsschutz als Gemeinschaftsaufgabe

Am Sommeranlass des Sicherheitspolitischen Forums Zentralschweiz stand der Zivilschutz im bewaffneten Konflikt im Zentrum. Bereits im Grusswort der Zuger Regierungsrätin Laura Dittli wurde deutlich: Krisenvorsorge und Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gewinnen wieder an Bedeutung. Bevölkerungsschutz ist keine Aufgabe einzelner Stellen, sondern eine gemeinsame Verantwortung von Bund, Kantonen, Gemeinden, Wirtschaft und Bevölkerung. Bedrohungen müssen laufend neu eingeschätzt werden, damit Schutzmassnahmen, Führungsstrukturen und Ressourcen rechtzeitig angepasst werden können.

Von Links nach Rechts: Herr Marc Siegenthaler und Herr Martin Zemp.

Die beiden Vertreter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) – der designierte Direktor Marc Siegenthaler und der Vizedirektor Daniel Jordi – zeigten auf, welche Rolle der Bevölkerungsschutz in einer veränderten sicherheitspolitischen Lage einnimmt und welche Herausforderungen sich daraus für Bund, Kantone und Partnerorganisationen ergeben.

Das BABS übernimmt dabei eine koordinierende Rolle: Es schafft Rahmenbedingungen, unterstützt Risikoanalysen, entwickelt Grundlagen für das Krisenmanagement und sorgt gemeinsam mit den Kantonen dafür, dass zentrale Fähigkeiten im Bevölkerungsschutz erhalten und weiterentwickelt werden. Dazu gehören unter anderem Alarmierung, Führungsunterstützung, ABC-Schutz, Schutzbauten, Kulturgüterschutz sowie die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen. Der Zivilschutz hat den Kernauftrag, die Bevölkerung zu schützen und zu retten, Partnerorganisationen zu unterstützen, die Führung zu verstärken, Kulturgüter zu sichern und nach Katastrophen Instandstellungsarbeiten zu leisten. Im bewaffneten Konflikt kommen zusätzliche Aufgaben hinzu, etwa die Betreuung der Bevölkerung in grossen Schutzräumen, die Unterstützung des Gesundheitswesens und der Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren.

Besondere Bedeutung kommt den Schutzbauten zu. Trotz einer hohen Schutzraumabdeckung in Wohnortnähe stellen Mobilität, Pendlerströme und unterschiedliche kantonale Strukturen neue Anforderungen an Planung und Einsatzbereitschaft. Auch der Schutz von Kulturgütern von nationaler Bedeutung ist angesichts der aktuellen Bedrohungslage neu zu beurteilen und zu priorisieren.

Herr Marc Siegenthaler

Zu den zentralen Herausforderungen zählen die personelle Alimentierung des Zivilschutzes, die Einsatzfähigkeit bei bewaffneten Konflikten, grossen Erdbeben oder kantonsübergreifenden Grossereignissen, die Zusammenarbeit mit der Armee sowie die Beschaffung von geeignetem Material für Suche, Rettung und Bergung. Der Wiederaufbau und die Weiterentwicklung von Fähigkeiten benötigen klare Prioritäten, verlässliche Finanzierung und eine langfristige Perspektive.

Das Fazit des Anlasses war klar: Bevölkerungsschutz ist ein zentrales Element für die Sicherheit der Schweiz. Damit er seine Aufgaben auch künftig erfüllen kann, braucht es eine umfassende Vision, tragfähige Strukturen und eine enge Zusammenarbeit aller Partner. Der Schulterschluss zwischen Bund, Kantonen, Armee, Organisationen und Bevölkerung bleibt entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit der Schweiz nachhaltig zu stärken.