{"id":1278,"date":"2025-09-23T05:22:13","date_gmt":"2025-09-23T04:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/spfz.ch\/?p=1278"},"modified":"2025-09-23T05:22:13","modified_gmt":"2025-09-23T04:22:13","slug":"herbstveranstaltung-sicherheitspolitisches-forum-zentralschweiz-vom-15-september-2025-mit-prof-dr-jerome-endrass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/spfz.ch\/?p=1278","title":{"rendered":"Herbstveranstaltung Sicherheitspolitisches Forum Zentralschweiz vom 15. September 2025 mit Prof. Dr. J\u00e9r\u00f4me Endrass"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Referat von Prof. Dr. J\u00e9r\u00f4me Endrass, forensischer Psychologe und Psychotherapeut, behandelt die Frage:&nbsp;<em>Wie sicher sind wir?<\/em>&nbsp;Er stellt fest, dass Gewalttaten im \u00f6ffentlichen Raum zunehmen, darunter Anschl\u00e4ge mit Fahrzeugen oder Messerattacken \u2013 auch in der Schweiz. Betroffen sind nicht nur Zivilpersonen, sondern zunehmend auch Einsatzkr\u00e4fte der Blaulichtorganisationen. Grunds\u00e4tzlich ist die Schweiz sehr sicher, dennoch besteht Verbesserungspotenzial. Statistiken zeigen, dass T\u00f6tungsdelikte in den letzten 15 Jahren stabil und auf niedrigem Niveau geblieben sind, w\u00e4hrend Raub, Vergewaltigung und schwere K\u00f6rperverletzungen deutlich zugenommen haben. Allerdings wirken diverse Parameter auf die Statistiken beeinflussend, wie beispielsweise das Anzeigeverhalten von Opfer oder auch die Kapazit\u00e4ten von Strafverfolgungsbeh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der allgemeinen Bev\u00f6lkerung findet die meiste Gewalt im h\u00e4uslichen Bereich statt: Weltweit ist jede f\u00fcnfte Frau Opfer h\u00e4uslicher Gewalt, und \u00fcber 40 % der Vergewaltigungen geschehen im h\u00e4uslichen Kontext. W\u00e4hrend weltweit junge M\u00e4nner am h\u00e4ufigsten Opfer von t\u00f6dlicher Gewalt werden, sind in der Schweiz Frauen die h\u00e4ufigsten Opfer. Es wird vermutet, dass es leichter ist, Gewalt von M\u00e4nnern gegen M\u00e4nner zu unterbinden als die Gewalt, die zu Hause stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonderes Ph\u00e4nomen, das ebenfalls besonders junge M\u00e4nner betrifft, ist die Incel-Bewegung (<em>involuntary celibacy<\/em>). Incels sind M\u00e4nner, die unfreiwillig enthaltsam leben und Frauen f\u00fcr ihre Situation verantwortlich machen. Sie glauben, Frauen seien oberfl\u00e4chlich und bevorzugten nur attraktive M\u00e4nner. Diese M\u00e4nner vernetzen sich online, sch\u00fcren Frauenhass und verherrlichen Gewalt. Es gibt wenig dokumentierte, schwere Gewalttaten von Incels. Die bekannten werden allerdings in der Community gefeiert und es besteht die Sorge von Nachahmungst\u00e4tern. Psychosoziale Probleme wie Isolation, Einsamkeit, Frustration, Wertlosigkeitsgef\u00fchle und Depressionen sind bei Incels verbreitet. Studien zeigen, dass Depressionen und Suizidgedanken bei Incels um bis zu 30 % h\u00e4ufiger auftreten. Gesellschaftlich wird die Situation aus der Sicht der Incels dahingehend zugespitzt, dass in emanzipierten Gesellschaften das Bed\u00fcrfnis, Beziehungen einzugehen, zwischen den Geschlechtern etwas auseinanderklafft. Es gibt Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass M\u00e4nner eher Beziehung anstreben und auch zu Kompromissen in der Wahl der Partnerinnen bereit sind, was bei Frauen weniger der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Thema, welches die Schweiz besch\u00e4ftigt, ist die Gewalt gegen Beh\u00f6rden. Prof. Endrass unterscheidet drei Typen von Querulanten: den Pseudo-Querulanten, der eine L\u00f6sung sucht und meist harmlos ist; den echten Querulanten, der streitlustig und fixiert ist, aber selten gef\u00e4hrlich; und den Risiko-Querulanten, der vermutlich weniger als 1 % ausmacht, aber in mehreren Dimensionen auff\u00e4llig und gef\u00e4hrlich ist. Diese Personen treten teilweise auch als Staatsverweigerer in Erscheinung und eskalieren kleine Konflikte zu Staatsfeindschaften. In den USA ist diese Kategorie f\u00fcr viele Staatsterrorakte verantwortlich. Typischerweise handelt es sich um M\u00e4nner \u00fcber 40 mit krimineller Vorgeschichte und psychischen Problemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Gewalt an Schulen ist ein Thema. Schulattentate sind zwar selten, aber gesellschaftlich traumatisierend. T\u00e4ter f\u00fchlen sich oft als \u201eR\u00e4cher der Gemobbten\u201c und sind in entsprechenden Ideologien vernetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Extremismus zeigen Statistiken, dass die meisten Terroranschl\u00e4ge weltweit in Westafrika durch den IS ver\u00fcbt werden, w\u00e4hrend Anschl\u00e4ge in Europa medial st\u00e4rker beachtet werden. In Deutschland gibt es die meisten Anschl\u00e4ge in Europa. Neu ist, dass viele T\u00e4ter keiner klaren Ideologie mehr folgen, sondern sich aus einer \u201eExtremismus-Salat-Bar\u201c bedienen, also verschiedene Ideologien und Verschw\u00f6rungstheorien kombinieren. Auch Incels spielen hier eine Rolle. Psychologisch entsteht Extremismus aus einer vorhandenen Gewaltbereitschaft, die durch Ideologien und Verschw\u00f6rungstheorien legitimiert wird. Interessant dabei ist die Erkenntnis, dass je besser man eine solche Person wieder in die Gesellschaft integriert \u2013 ihr einen Platz in der Gemeinschaft gibt \u2013 desto eher kommen sie wieder weg von extremistischem Gedankengut. In der Schweiz liegt der Anteil antisemitischer Einstellungen bei 23 %, wird aber selten offen gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend gilt: Eine Verschw\u00f6rungsmentalit\u00e4t f\u00fchrt zu einer Ideologie, und gekoppelt mit Gewaltbereitschaft resultiert daraus Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Abend hat zum Nachdenken gebracht. Vielerorts fehlt Geld f\u00fcr (Schul-)Psychologen und andere niederschwellige Angebote, oder man setzt aus Unkenntnis die Priorit\u00e4ten falsch. Dennoch zeigt sich J\u00e9r\u00f4me Endrass f\u00fcr die Schweiz optimistisch \u2013 wir machen vieles richtig und kl\u00fcger als das Ausland, indem wir auch Pragmatismus, direkte Kontakte und Augenmass setzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/spfz.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/spfz_herbstanlass_2025_1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1247\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Referat von Prof. Dr. J\u00e9r\u00f4me Endrass, forensischer Psychologe und Psychotherapeut, behandelt die Frage:&nbsp;Wie sicher sind wir?&nbsp;Er stellt fest, dass Gewalttaten im \u00f6ffentlichen Raum zunehmen, darunter Anschl\u00e4ge mit Fahrzeugen oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_uag_custom_page_level_css":"","ngg_post_thumbnail":0,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1278","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"post-thumbnail":false},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/spfz.ch\/?author=1"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Das Referat von Prof. Dr. J\u00e9r\u00f4me Endrass, forensischer Psychologe und Psychotherapeut, behandelt die Frage:&nbsp;Wie sicher sind wir?&nbsp;Er stellt fest, dass Gewalttaten im \u00f6ffentlichen Raum zunehmen, darunter Anschl\u00e4ge mit Fahrzeugen oder [&hellip;]","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1278"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1278\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1279,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1278\/revisions\/1279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/spfz.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}